Blende und Schärfentiefe
Blende und Schärfentiefe oder:
Es kann nicht scharf genug sein!
Machen Sie sich zum Herrn über die Schärfe und Sie sind der Herr des Bildes!
Es gibt Weniges, was so wichtig wie die Schärfe ist. Wenn Sie auch alles andere vergessen - aber die Schärfe müssen Sie immer im Hinterkopf behalten. Schauen Sie sich Ihre bisherige Bilder an oder die Bilder Ihrer Freunde: sie sind nicht wirklich scharf!
Schauen Sie sich das Foto an: Gerade die Augen sind megascharf. Ich habe das Foto nur leicht komprimiert und die Bildbreite ist 3.000 Pixel. Öffnnen Sie das Foto und zoomen Sie in das Auge hinein. Sie können jedes einzelne Härchen erkennen. Die Augen sind das zentrale Element eines Fotos. Sie drücken Lebendigkeit aus, sie fixieren den Betrachter. Sie müssen deshalb die maximale Schärfe erhalten. Deshalb: Immer auf die Augen fokussieren!
Jetzt kommt ein bischen Theorie, weil die Schärfe so wichtig ist. Die richtige Belichtung eines Bildes hat auch Einfluss auf die Schärfe. Die richtige Belichtung hängt ab von: Belichtungszeit und Blende
Sie gibt an, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Sie wird immer gemessen in Sekunden. Also nicht 4 ms sondern 1/250 s Je länger diese Zeit ist, umso eher verwackelt das Bild. Wenn Sie schon etwas geübt sind können die die Kamera ruhiger halten. Dann gilt die Faustformel:
1/Brennweite = maximale Belichtungszeit ohne Stativ
Infos zur Brennweite gabs auf der Seite mit der Ausrüstung
Beispiele
- Bei 50 mm Brennweite bekommen Sie noch scharfe Bilder bis etwa 1/50 s.
- Bei 200 mm bekommen Sie scharfe Bilder erst ab etwa 1/200 s.
Dummerweise gibt es hier zwei Zahlen: Die tatsächliche Blendenöffnung (der Durchmesser der geöffneten Blende) und die Blendenzahl. Sie hängen wie folgt zusammen:
Große Blendenöffnung = Kleine Blendenzahl (und umgekehrt)
Die Blendenzahl ist die wichtigerere. Sie werden wir in Zukunft nausschließlich betrachten.
Wenn Sie bei einem Bild die Belichtungszeit verringern wollen, müssen Sie gleichzeitig die Blendenzahl verringern (= Blende weiter öffnen).
Eine Blendenzahl durch 2 teilen, dann können die die Belichtungszeit auf ein Viertel reduzieren. Beispiel:
Wenn ein Bild mit Blende 5,6 und 1 s richtig belichtet ist, dann wäre es mit folgenden Einstellungen annähernd gleich belichtet: Blende 2,8 und 1/250 s.
Keine Panik, das macht die Kamera normalerweise alles automatisch. Jetzt merken Sie vielleicht auch, warum ein lichtstarkes Glas für Teleaufnahmen so wichtig ist: Die Verwacklungsgefahr im Telebereich nimmt stark zu. Um das ohne Stativ zu kompensieren, müssen wir die Belichtungszeit verkürzen - und das geht nur wenn wir eine kleine Blendenzahl wählen können. Und dazu ist eben ein lichtstarkes Tele notwendig. Beispiel: Wir wollen ein Tier mit einem Tele und einer Brennweite von 500 mm fotografieren. Dazu brauchen wir eine kurze Belichtungszeit von min 1/500 s, damit wir nicht verwackeln. Nun ist vielleicht der Himmel etwas verhangen und wir bräuchten dazu eine Blende von 2,8, um in 1/500 s genügend Licht auf den Sensor zu bringen. Unser Objektiv kann aber nicht weniger als 5,6. Dazu müssten wir nun die Belichtungszeit mit 4 multiplizieren und liegen nun bei 1/125 s. Und das geht ohne Stativ nicht - blöd gelaufen!
Schärfentiefe
Alle Klarheiten beseitigt? Also zurück zur Schärfe. Grundsätzlich wird in einem Bild immer nur ein gewisser Bereich scharf dargestellt. Dieser Bereich heißt Schärfentiefe.
Die Schärfentiefe hängt ab von:
Motiv weit weg = große Schärfentiefe
Dadurch bekommen Sie bei Landschaftsaufnahmen so ziemlich die komplette Landschaft scharf. Im diesem Bild benötige ich eine große Schärfentiefe, weil der komplette Bereich, in dem der Kennel steht, inkl. der Schrankwand scharf abgebildet werden soll. Schließlich sollen Sie doch unsere Echtholzfronten bewundern können!
Kleine Blendenzahl (=je größer der Blendendurchmesser) = geringe Schärfentiefe
Dadurch bekommen Sie bei Portraitaufnahmen den Hintergrund unscharf. In diesem Bild wollte ich nur Candy scharf haben, Beauty im Hintergrund aber unscharf, also benötige ich eine geringe Schärfentiefe.
Nur bei einer ausreichend kurzen Belichtungszeit, verwackelt das Bild nicht.
Gerade wenn Sie Hunde in Bewegung fotografieren wollen, brauche Sie sehr kurze Zeiten. Damit meine ich Zeiten kürzer als 1/250 s! In diesem Bild scheinen die Wauzis in der Bewegung wie eingefroren (wieder auftauen nicht vergessen!). 1/500 s Belichtunsgzeit machten dies möglich, in Verbindung mit der notwendigen kleinen Blendenzahl ergibt sich auch noch ganz von selbst ein unscharfer Hintergrund - genial oder?
Zusammenfassung
Ich versuche mal, den kompletten Bogen zu spannen:
1. Wir wollen scharfe Bilder, d.h. wir brauchen dazu kurze Belichtungszeiten
2. Kurze Belichtungszeiten bedeutet: die Blende muss weiter geöffnet werden, um mehr Licht durchzulassen.
3. Große Blendenöffnung = kleine Blendenzahl
4. Kleine Blendenzahl = geringe Schärfentiefe
5. Geringe Schärfentiefe = Das Motiv selbst ist scharf, der Hintergrund nicht
6. PERFEKT
Wo liegt der Haken? Bei sehr großen Blenden (mein neuen Glas kann 1,4) wird die Schärfentiefe sehr klein, wenn ich dann noch nah ans Motiv rangehe wird die Schärfentiefe noch kleiner. D.h. die Schärfentiefe kann auf bis wenige mm absinken. Bedeutet: Augen scharf, Schnauze und Ohren unscharf! Sehen Sie sich folgende Bilder an. Im ersten Bild ist der 1.Kopf scharf dargestellt, im 2.Bild ist der 2.Kopf scharf dargestellt - Hinter- und Vordergrund sind unscharf.
Hier müssen Sie deshalb vielleicht 1 bis 2 Blendenstufen ”aufblenden” (=kleinere Blendenöffnung nehmen) und die längeren Belichtungszeiten in Kauf nehmen.
Ich fotografiere deshalb (fast) immer mit Zeitautomatik: D.h.: ich wähle die Blende und mache mich damit zum Herrn über die Schärfentiefe, die Kamera wählt die passende Belichtungszeit automatisch.







